Kommentar: Red Bull und die Farmteams – eine infame Wettbewerbsverzerrung

By | Sep 4, 2016
Jeder kennt sie, jeder hat sie verflucht: Die Kumpels, die beim Bundesliga-Manager mehrere Vereine übernahmen, um einen Klub zu pushen und so möglichst schnell an die Spitze zu klettern. „Das ist ja total unrealistisch“, argumentierte man, wenn es um das Für und Wider dieser fragwürdigen Taktik ging. Doch inzwischen haben sich die Voraussetzungen im Profifußball geändert.

Öl-Scheichs oder andere Milliardäre drängen seit Jahren vermehrt in das Fußballgeschäft und führen teilweise die jahrelange ehrliche Arbeit von anderen Klubs ad absurdum. Die besten Beispiele sind die beiden Manchester Vereine United und City sowie der FC Chelsea, die allein in diesem Sommer 540 Millionen Euro investierten und im Gegenzug nun an der Spitze der Premier League thronen. Doch es ist das eine, Geld in einen Verein zu pumpen, um diesen schnell an die Spitze zu bringen. An dieses Gebaren hat man sich als Fußball-Fan ja schon fast gewöhnt.

Salzburg als Farmteam für Leipzig

Problematisch und zwielichtig wird es jedoch, wenn einem Konzern gleich mehrere Vereine gehören. Der Vetternwirtschaft sind so Tür und Tor geöffnet. „Einige Spieler, die jetzt noch in Salzburg spielen, werden im nächsten Sommer nicht mehr dort sein, sollten sie sich als klare Verstärkung für Leipzig erweisen“, kündigte Ralf Rangnick bereits im Herbst 2014 unverhohlen an. Obwohl im Sommer 2015 RB Leipzig (noch) nicht den ersehnten Bundesligaaufstieg einfuhr, verabschiedeten sich mit Stefan Ilsanker, Péter Gulásci und Nils Quaschner drei Salzburger Leistungsträger gen Sachsen. Nach dem geglückten Aufstieg in diesem Sommer folgten Naby Keïta, Bernardo und Benno Schmitz.

Leidtragender ist vor allem der ursprünglich erste Red Bull-Klub aus Salzburg, wie es zuletzt Martin Hinteregger überaus deutlich machte: „Aus Salzburger Sicht ist da sicherlich Wut dabei. Wir haben eigentlich immer eine gute Mannschaft und dann, zack ist wieder ein Spieler in Leipzig. Für mich war das aber überhaupt kein Thema, weil alles aus Leipzig gesteuert wird.“ Die Wut konzentriert sich dabei vor allem auf Sportchef Ralf Rangnick: „Rangnick hat nach wie vor in Salzburg und Leipzig das Sagen. So gut er es auch hier in Salzburg gemacht hat, aber jetzt lässt er alles wieder den Bach runtergehen und das finde ich schade.

Filiale in England gesucht

Red Bull will darüber hinaus offenbar noch weitere Filialen aufmachen und drängt vor allem auf den englischen Markt, wo die besonders finanzträchtigen Deals über die Bühne gehen. Bereits vor zwei Jahren wurde dem englischen Zweitligisten Leeds United ein Angebot zur Übernahme unterbreitet. Besitzer Massimo Cellino lehnte damals dankend ab: „Ich bin nicht hierher gekommen und habe den Klub gekauft, um ihn nach sechs Monaten wieder zu verkaufen. Das wäre ein Witz.“

Bislang hat Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz noch keinen passenden englischen Klub gefunden. Wie regelmäßig in österreichischen Medien zu lesen ist, sollte es nach Möglichkeit ein Verein aus dem Ballungsraum London sein. Da die Premier League durch die Entwicklung der TV-Vermarktung ein besonders lohnendes Geschäft für Investoren ist, tut sich aber offenbar selbst der Brause-Milliardär auf der Insel schwer.

Die Hoffnung, dass die Verbände Mittel und Wege finden, die Vetternwirtschaft zwischen Haupt- und Farmteam zu unterbinden, stirbt zuletzt. Auch wenn die Vergangenheit gelehrt hat, dass weder innerhalb des DFB noch der DFL Interesse besteht, dem österreichischen Getränkeimperium und seinen Geschäftsgebaren Einhalt zu gebieten. Die Wettbewerbsverzerrung, die früher höchstens am eigenen PC denkbar war, geht somit also weiter.

Source: fussballtransfers.com

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